Toto

Schon kurz nach seiner Geburt entdeckte Toto seine größte Leidenschaft: Das Sammeln von nutzlosen Gegenständen. Seine Schwestern (ja, der Arme hat Schwestern) wissen davon zu berichten, dass er ihnen ständig die Spielzeuge moppste. Da man mit einem solchen Verhalten hinter Gittern landen könnte, besann er sich im zarten Alter von drei Jahren und entwickelte einen ausgeprägten Hang zum Schwesternquälen. Und was ist da besser geeignet, als zum ungünstigsten Tageszeitpunkt Musik zu machen. Da es damals noch keine Keyboards gab, versuchte Toto sich an einer Hammond-Orgel (Anmerkung des Erfinders dieser Zeilen: Ganz sicher ist das nicht, da Toto noch recht jung ist, könnte es auch eine Bontempi gewesen sein).

Ob damals schon das Unheil nahte, konnte nicht mehr festgestellt werden. Denn Toto entwickelte eine Abhängigkeit zum deutschen Schlager, die er bis Heute nicht wieder ablegen konnte. Warum er damit ausgerechnet bei Tender Years gelandet ist, bleibt ebenfalls verborgen. Wahrscheinlich hat er sich 1990 einfach in der Proberaumtür geirrt und ist dann bei uns hängen geblieben. Seinem ausgeprägten Selbstbewußtsein ist es zu verdanken, dass er nicht gleich wieder hinausflog. Denn die ersten zwei Jahre spielte er nur mit zwei Fingern (Originalzitat: Mit 10 Fingern? Das kann ja jeder!) Deswegen wurde er kurzerhand zum Keyboard-Bassmann umfunktioniert und spielte fast ausschließlich Bassläufe - mit zwei Fingern. Als unser anderer Keyboarder Bernd die Band Knall auf Fall verließ, zeigte sich aber, dass die anderen acht Flutschfinger doch zu etwas nutze waren. Denn durch den fortan exzessiven Gebrauch aller seiner Griffel setzte sich bei seinen Bandkollegen die Gewißheit durch: der kann ja doch spielen, wir brauchen keinen Neuen.

Ein klein wenig problematisch war in den ersten Jahren Totos Abhängigkeit zum Lampenfieber. Kalkweiß fiel er schon einmal Treppen hinunter oder er kippte einfach von der Bühne. Das besserte sich erst, als er sich nebenbei noch als Schlagerfuzzi verdingte (Ehrlich, der muss sich in der Proberaumtür geirrt haben). Er fing dort sogar das Singen an, eine Sache, die er zuvor genauso wie das Zehn-Finger-Klimpern immer hartnäckig von sich gewiesen hatte. Aber jetzt nach 20 Jahren bei Tender Years darf er auch bei uns mal ins Mikro brummeln.

Trotz der Geschichte als Bänkelsänger im Bierzelt reichte das dort erworbene Geld nicht aus, deshalb suchte er sich einen Job in der Hilfeleistungsabteilung. Da ihm aber Spritzen und Bettpfannen alleine zu langweilig sind, kutschiert er auch fremde Leute durch die Gegend. Und da ihm das auch noch nicht reicht, frönt er seiner alten Leidenschaft. Er sammelt archäologische Artefakte der Neuzeit am Straßenrand auf und verkloppt sie bei EBAY.

Mit dem dadurch gewonnene Reichtum finanziert er sein einziges Hobby: er fährt so geschätzte 100 mal pro Jahr in den Urlaub.

Wir wissen zwar immer noch nicht, warum er bei uns gelandet ist, aber eigentlich...

...ist er ein echter Rock'n Roller!